Betriebsbedingte Kündigung?

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Betriebsbedingte Kündigung

Meine 7 besten Tipps für jeden Arbeitnehmer

Aufgrund der sich dramatisch verschlechternden wirtschaftlichen Gesamtlage, müssen viele Unternehmen Kosten sparen. Als Mittel dazu werden sie auch Mitarbeiter entlassen.
Wenn es Sie als Arbeitnehmer trifft, wollen Sie wissen, ob und wie Sie Ihren Job behalten können oder zumindest eine (höhere) Abfindung erhalten können. Hier ist eine kurze Zusammenfassung meiner 7 Tipps bei betriebsbedingten Kündigungen für Sie:

1. Ruhe bewahren und nichts unterschreiben

Mein erster und wichtigster Rat: Bleiben Sie ruhig. Lesen Sie sich alles zweimal durch. Unterschreiben Sie maximal eine Empfangsbestätigung der Kündigung.
Falls Sie die Situation am Arbeitsplatz nicht mehr aushalten, fragen Sie, ob Sie nach Hause gehen können – mit Überstundenabbau oder Ähnlichem. Die meisten Chefs zeigen dafür Verständnis. Wichtig ist, dass Sie um Erlaubnis fragen bzw. sich ordnungsgemäß abmelden. Verlassen Sie Ihren Arbeitsplatz aber nicht ungenehmigt.

2. Prüfen Sie selbst, ob formelle Fehler vorliegen

Das ist der erste Schritt, den auch ein Anwalt bei einer betriebsbedingten Kündigung machen würde. Hier sind ein paar Beispiele:

Ist die Kündigung schriftlich erfolgt?
Mündliche Kündigungen oder solche per E-Mail oder WhatsApp sind unwirksam.

Wer hat die Kündigung unterschrieben?
Derjenige braucht entweder „Vertretungsmacht“ muss also z.B. der Inhaber, Geschäftsführer oder Prokurist sein oder er braucht eine schriftliche (!) Vollmacht, die Ihnen gleichzeitig ausgehändigt werden muss.

Wurde der Betriebsrat angehört?
Wenn es einen gibt und es fand vor der Kündigung keine Anhörung statt ist die Kündigung ebenfalls unwirksam.

Haben Sie besonderen Kündigungsschutz?
Das ist z.B. der Fall, wenn Sie schwanger oder in Elternzeit sind, wenn Sie Betriebsratsmitglied oder schwerbehindert sind. Auch in diesen Fällen kann entweder gar nicht oder nur nach Einhaltung weiterer Formalien gekündigt werden.

Wurde die Kündigungsfrist eingehalten?
Nicht fristgerechte Kündigungen können unwirksam sein.

Manchmal sind Fehler offensichtlich, in anderen Fällen lohnt es sich den Rat eines Anwalts einzuholen.

3. Beachten Sie die 3-Wochen-Frist!

Wenn Sie gegen die Kündigung vorgehen wollen, müssen Sie rechtzeitig Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben. Die Frist dafür ist drei Wochen ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie die Kündigung erhalten haben bzw. zu dem Sie sie bekommen konnten – z.B. weil Sie in Ihrem Briefkasten lag, auch wenn Sie nicht zu Hause waren. Versäumen Sie diese Frist, so können Sie nicht mehr erfolgreich gegen die Kündigung vorgehen!

4. Holen Sie sich Rat

In der Regel empfiehlt es sich bei einer Kündigung, einen Anwalt zu konsultieren. Eine Erstberatung wird Ihnen einen Überblick über Ihre Erfolgsaussichten und die Kosten geben. Sie darf nicht mehr als 226,10 Euro (§ 34 RVG). Einige Anwälte bieten dies auch günstiger an. Wenn Sie Mitglied einer Gewerkschaft sind, kann man Ihnen dort mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn Sie keinen Anwalt wollen und kein Gewerkschaftsmitglied sind, fragen Sie bei der Rechtsantragsstelle des Arbeitsgerichts um Rat. Dort hilft man Ihnen eine Klage zu formulieren und rechtswirksam zu erheben.

5. Ist die betriebsbedingte Kündigung aus anderen Gründen unwirksam?

Fällt Ihr Arbeitsverhältnis in den Geltungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes (Das ist jedenfalls dann der Fall, wenn Sie länger als 6 Monate in einem Unternehmen mit mehr als 10 Vollzeitkräften beschäftigt sind.), braucht Ihr Arbeitgeber einen Kündigungsgrund. Handelt es sich um eine betriebsbedingte Kündigung ist u.a. Voraussetzung für eine wirksame Kündigung, dass keine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit auf einer anderen Stelle besteht. Außerdem muss der Arbeitgeber die Sozialauswahl ordnungsgemäß durchgeführt haben. Das heißt unter den Kollegen, deren Stellen mit Ihrer Position vergleichbar sind, müssen Sie am wenigsten schutzwürdig sein. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn Sie der oder die Jüngste sind, am kürzesten im Betrieb beschäftigt waren und keine oder wenige Unterhaltsverpflichtugen haben.
Hier müssen Sie sich entweder selbst aus seriösen Quellen weitergehend informieren oder sich Rechtsrat holen.

6. Gibt es einen Sozialplan und einen Interessenausgleich?

In Unternehmen mit Betriebsrat gehen betriebsbedingten Kündigungen in der Regel ein Interessenausgleich oder/und ein Sozialplan voran. Auch diese können Regeln oder Rechte für Sie im Fall einer Kündigung enthalten. Lesen Sie sich diese genau durch und überlegen Sie, welche Regelungen auf Sie angewendet werden müssten.

7. Soll ich einen Anwalt nehmen?

Das müssen Sie letztlich selbst entscheiden. Wichtig ist dafür zu wissen, dass Sie sich in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht selbst vertreten können. In einfach gelagerten Fällen, oder wenn Sie selbst über fundierte Kenntnisse verfügen, kann das ein gangbarer Weg sein.

Ein Anwalt kann das Verfahren für Sie jedoch erheblich erleichtern: Sie gewinnen Sicherheit durch Fachkompetenz und einen Verhandlungspartner, der Ihrem Arbeitgeber auf Augenhöhe begegnet. Sie sparen sich Arbeit und Sorgen: Er kümmert sich um Fristen, um die Erstellung notwendiger Dokumente und um die Kommunikation mit dem Arbeitgeber.

Haben Sie Fragen zu meinen 7 Tipps zur betriebsbedingten Kündigung? Kontaktieren Sie mich gern!

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